Zur Pflegekinderthematik
Auch wenn die Gefahr besteht, dass ich mich
gelegentlich wiederhole, möchte ich nicht auf diese Seite hier verzichten. Der
Betrachter wird sich bisher gefragt haben, wo denn bei Sommerfest und LGB, bei
Drehorgel und Haus die Pflegekinderthematik dieser Homepage zu finden ist.
Nun, ich möchte dies hier erläutern. Diese Homepage ist mit diesen Inhalten nur
möglich, weil wir Pflegekinder erziehen. Unser gesamtes Leben ist auf unsere
Kinder ausgerichtet. Als das erste Pflegekind zu uns kam war das eine
ordentliche Umstellung.
Unsere eigenen Kinder waren ja schon seit Jahren erwachsen und selbständig. Nun ging
es wieder los mit Hausaufgaben und Schulsachen, Urlaub ist seitdem auch nur in
der Schulferienzeit möglich usw. Doch, immer der Reihe nach.
Prähistorisches:
Eigentlich begann alles ganz normal.
Irgendwann einmal, in grauer Vorzeit, lernte der Vater, Lutz, die Mutter, Elke,
kennen. Oder umgedreht? Egal, das ist eh schon ewig lange her. Auf jeden Fall
wurde 1972 mit einer Eheschließung der Grundstein zur Gründung einer Familie
gelegt. Das war damals noch normal. Normal auch, dass im Jahr darauf ein Sohn,
Steffen, das Licht dieser Welt erblickte. Ein Jahr später war's eine Tochter,
Antje. Das war schon nicht mehr so normal. Für die nächsten, etwa zwanzig, Jahre
der Ruhe und Beschaulichkeit sollten damit die familienvergrößernden Maßnahmen
abgeschlossen sein.
Das wiederum, war nun auch stinknormal!
Neuzeitliches:
Es ging dann auch, um bei dem Attribut zu
bleiben, ganz normal bei uns weiter. Die Kinder wurden flügge, standen auf
eigenen Füßen und gründeten ihre eigenen Familien. Mittlerweile sind wir stolze
Großeltern von vier Enkelkindern. Nachdem die Tochter ausgezogen war waren wir
zwei alten, wie das so normal ist, halt allein. Stinklangweilig war das. Wir
hatten schon einmal laut darüber nachgedacht noch ein Kind zu haben. Kein
eigenes, aus dem Alter waren wir raus. Ein gebrauchtes, gut erhaltenes wäre ja
nicht schlecht. Ich bräuchte mir dann nicht immer die Kinder von den Nachbarn
oder von Freunden zu borgen, damit mal ein bissel Trubel bei uns ist und ich
jemanden zum spielen habe.
Bis zu jenem Tag im Oktober 1996. Da hatten alle Normalitäten unseres Lebens ein
Ende. Die zuständige Mitarbeiterin vom Jugendamt fragte uns, ob wir einen 10
jährigen Jungen in Vollzeitpflege nehmen würden. Wir gingen also ins Heim,
schauten uns den Jungen an und nach einigen Besuchen in der Anbahnungsphase war
klar, der Bengel passt in den Streifen. Seit dem 1.12.1996 haben wir
Pflegekinder. Und nichts, aber auch gar nichts wurde jemals wieder so normal wie
unser Leben bisher verlief.
Aktuelles:
Der Junge passte wirklich in den Streifen. Wo
er war, war Action. Und wenn 'mal keine war, dann machte er welche. Ich hatte
wieder einen Jungen zu Hause, dem ich allerlei Unsinn beibringen konnte. Kurz
die Langeweile war vorbei. Richtig Vorbei ist sie seit unserem 26. Hochzeitstag.
Wer bekommt an solch einem Tag schon neue Kinder? Und gleich drei Geschwister
auf einmal! Von Heute auf Morgen, ruck zuck, waren die drei, damals 3, 8 und 10
Jahre alt bei uns. Nur mal für ca. 6 Wochen.
Und wieder war alles ganz anders.
Die Karten wurden neu gemischt. Kurz und gut, ein viertel Jahr hat es gedauert
bis sich Alles eingespielt hatte. Im darauf folgendem Jahr gab es noch einen
gemeinsamen Urlaub in Dänemark und dann verabschiedete sich unser erster
Pflegesohn nach zwei Jahren und acht Monaten zu seiner Mutti. Für immer und weit
weg.
Und wieder war alles ganz anders.
Es fing schon an in unserer Familie wieder alles in geregelten Bahnen zu laufen
und ruhig zu werden. So ruhig wie das bei drei Kindern halt möglich ist.
Aber......... dann kam der Karfreitag. Und mit diesem Tag, wieder von ein
neuer Pflegesohn Damals 2 Jahre alt. Nur mal für ca. 6 Wochen.
Und wieder war alles ganz anders.
Und wie anders! Der Zweijährige hat die ganze Bande wieder ordentlich
aufgemischt und es war wieder kräftig Trubel bei uns. Wie gewohnt. Seit 2002
existiert unsere Familie nun in dieser Zusammensetzung. In beiden Fällen sind
aus den geplanten ca. 6 Wochen schon einige Jahre geworden. Das älteste der
Kinder ist nun schon seit einem halben Jahr 18, lebt immer noch zu Hause, und
wird uns wohl noch eine Weile erhalten bleiben.
Fazit:
Über die Hälfte unseres Lebens ist vorbei. Wir sind nun 54 und 55, fühlen uns jedoch wie allerhöchstens 40. Die Bande hält uns in Schwung und auf Trab. Ruhe? Die brauchen wir erst Später. Manchmal haben wir sie. Wenn die keifenden Schwestern einen guten Tag erwischen, die Große nicht dumm an der Kante rumpubertiert und die Jungs nicht am Rad drehen, dann geht's schon. Mitunter passiert das alles auf einmal, das ist dann Besorgnis erregend. Natürlich machen vier Kinder viel Arbeit, gibt es Ärger und Sorgen und nicht nur schöne Dinge. Aber, das wussten wir doch vorher. Keines unserer Kinder und keine Sekunde unseres Lebens möchten wir missen. Wir sind glücklich mit unseren Kindern und unserem Leben. Auch wenn das in dieser Zeit und dieser Gesellschaft etwas ungewöhnlich ist.
Für uns ist das normal, da sind wir uns einig.